Zeit & Zutritt 2020 – Ohne Infrastruktur keine digitale Ökonomie, keine Ökonomie 4.0! Im Interview Uwe Eisele

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

Ökonomie, Märkte und Unternehmen sind im Wandel. Flexibilisierung und Öffnung bei gleichzeitiger Vernetzung sind zwei der Megatrends der digitalen Ökonomie bzw. der Ökonomie 4.0. Ohne eine Infrastruktur, die Sicherheit und Transparenz gewährleistet, stößt beides an seine Grenzen. So wird das etablierte Thema „Zeit & Zutritt“ zu einer Schlüsseltechnologie für die Neuausrichtung.

Es freut uns daher sehr, dass wir im Vorfeld des Competence Books Zeit & Zutritt führende Köpfe der Branche zu einem Vorab-Roundtable versammeln konnten, um Kernaspekte des Themas in Theorie und Praxis zu beleuchten.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr Competence Site-Team

 

1.Trends / Treiber für Zeit & Zutritt

Industrie 4.0 bzw. digitale Ökonomie setzt auf eine Flexibilisierung der Arbeit, zugleich braucht die neue Vernetzung Sicherheit trotz Offenheit im Netzwerk. Auch Trends wie Customer Experience und Business Apps oder Basistechnologien (Biometrie, Mobile, NFC, …) verändern maßgeblich das Umfeld von Zeit & Zutritt.

Welches sind Ihrer Meinung nach die fünf wichtigsten und nachhaltigen Trends / Treiber für das Thema Zeit & Zutritt in den kommenden 5 Jahren?

 

Als starke globale Wachstumstreiber sehen wir die Urbanisierung, das steigende Bedürfnis nach Sicherheit, technologische Innovationen und der wachsende Wohlstand in den Schwellenländern.

Hinzu kommen als Treiber für die Bereiche Zeit und Zutritt die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und der Arbeitsorte und der Wunsch der Unternehmen nach mehr Mobilität. Der Einsatz des Smartphones in immer mehr Bereichen ist auch ein Treiber zur Weiterentwicklung der bisherigen Lösungen. Die Herausforderung dabei ist es, die Lösungen sicher zu machen. Als Technologieführer beschäftigen wir uns natürlich intensiv mit diesen Themen.

 

2.Marktpotenzial Zeit & Zutritt

Die Märkte für Zeit & Zutritt-Lösungen scheinen eigentlich gereift zu sein. Trotzdem sorgen potenziell ökonomische („4.0“) und regulatorische Veränderungen („Mindestlohn“, „Food Defence“, …) immer wieder für eine neue Dynamik im Markt.

Wie bewerten Sie die Markt-Potenziale der Zukunft bis 2020? Wo ist der Markt eher gereift / gesättigt und eher ein Markt des Verdrängungswettbewerbs? Wo lassen sich Ihrer Meinung nach hingegen noch neue Zukunftsfelder erschließen? Wer wird 2020 erfolgreich sein? Wird es verstärkt zu Spezialisierungen oder zu integrierten Lösungen kommen? Erwarten Sie Konsolidierungen am Markt und Übernahmen von Anbietern? Wie differenzieren Sie sich auch in Zukunft erfolgreich vom Wettbewerb?

 

Die Branche befindet sich zur Zeit in einer Konsolidierungsphase, was die aktuellen Firmenzusammenschlüsse eindrücklich zeigen. Nach dem Zusammenschluss mit Dorma, verstärken wir noch unsere Kompetenz rund um die Türe. Als dormakaba sind wir ausgezeichnet aufgestellt, um Markt- und Technologietrends noch wirkungsvoller in bedürfnisgerechte Lösungen mit echtem Mehrwert umzusetzen. Unsere langfristigen Kundenbeziehungen sichern uns nachhaltiges Geschäft. Ein weiterer Erfolgsfaktor ist sicherlich, dass unser Lösungsangebot und unsere Dienstleistungen international verfügbar sind.

 

3.Zeit & Zutritt als Infrastruktur / Enabler für neue Geschäftsprozesse

Neue ökonomische Potenziale können entstehen, wenn Zeit & Zutritt zu einem strategischen Enabler für digitalisierte Geschäftsprozesse wird. Eine bessere Kundenbindung wird z.B. möglich, wenn in Hotels Zutritts-Apps die Customer-Experience verbessern und die Kundenbindung erhöhen (Hinweise auf Hotel-Angebote), Energieeffizienz wird möglich, wenn Zutritt den Energieverbrauch steuert, eine neue „aktive“ Zeitwirtschaft / Personaleinsatzplanung könnte Mitarbeiterzufriedenheit steigern.

Wie bewerten Sie die Chancen, durch Zeit & Zutritt solche Innovationen vermehrt zu ermöglichen? Wo sehen Sie innovative Nutzungen der „Infrastruktur“ Zeit & Zutritt im Kontext der digitalen Transformation der Unternehmen und Märkte?

 

Unser Bereich bietet gute Chancen, mit innovativen Lösungen Trends zu setzen. So eröffnen beispielsweise aktuelle Zutrittstechnologien und -lösungen im Bereich der Hotelschließsysteme unseren Hotelkunden wertsteigernde Angebote. Und die Hotelgäste freuen sich über komfortables Ein- und Aus-Checken und dem bequemen Zugang zu ihrem Zimmer mit ihrem Smartphone. Das Smartphone wird so zum Identifikations- und Kommunikationsmittel. dormakaba ist hier Vorreiter und hat heute bereits mehrere Kooperationen mit großen Hotelketten abgeschlossen. Gerade die flexible Zuteilung von Zutrittsrechten auf das Mobiltelefon ermöglicht neue Anwendungsfälle, beispielsweise im Bereich Öffentliche Versorgungsunternehmen, wo Zugang auch an entlegenen Gebäudeteilen benötigt wird. Wichtig dabei ist, dass der gesamte Prozess der Rechtezuteilung sicher ist und keine Lücken für Angriffsmöglichkeiten bietet.

Nicht zuletzt werden weiterhin gesetzliche Vorschriften und Regulatorien, wie z.B. die Sicherung der Lieferkette oder der Schutz der Lebensmittelproduktion, Grundlage für weitere Investitionen in Sicherheitssysteme sein.

 

4.Zeitwirtschaft und Zutrittskontrolle im Jahr 2020

Ein Experten-Roundtable soll Unternehmen und der Branche Zukunftsperspektiven vermitteln. Wenn Sie in die Glaskugel und fünf Jahre in die Zukunft schauen: Wie haben sich bis 2020 die Zeitwirtschaft und die Zutrittskontrolle weiter entwickelt? Was sind jeweils relevante Technologien, Lösungsbausteine und Anwendungen? Was sind bis 2020 die wichtigsten Veränderungen gegenüber 2015?

 

Die Komplexität wird insgesamt zunehmen, gerade auch im Bereich RFID-Identifikationstechnologien. Deshalb haben wir ein eigenes Center of Expertise für Ausweismedien aufgebaut, um die Kunden bei ihren vielen individuellen Anforderungen optimal beraten zu können, beispielsweise bei Migrationen von bestehenden Installationen auf aktuelle Technologien.

Auch das Thema „Software as a Service“ wird in 5 Jahren ein viel größeres Gewicht haben. Denn dieses Geschäftsmodell bietet dem Kunden einige Vorteile. So muss keine Software-Installation beim Kunden vor Ort mehr durchgeführt werden. Einmal eingerichtet muss er sich um den Betrieb der Applikation nicht mehr kümmern und erhält automatisch alle neuen Updates eingespielt. Das ist besonders interessant für kleinere Unternehmen, wie Handwerksbetriebe, Praxen und Ladengeschäfte, die kein separates Personal dafür zur Verfügung haben.

Außerdem wird sich der Einsatz von digitalen Standalone-Komponenten (elektronischen Türschlössern) innerhalb einer klassischen Zutrittslösung sehr stark durchgesetzt haben. Denn sie vereinen den Vorteil einer mechanischen Schließanlage – keine elektrische Verkabelung und einfache Installation – mit der elektronischen Zutrittskontrolle mit selektiven, zeitlich begrenzten Zutrittsberechtigungen. Die daraus resultierenden geringeren Installationskosten sowie der erhöhte Komfort entsprechen einem großen Bedürfnis der Unternehmen.

 

5.Eigene Use Cases mit Zeit & Zutritt als Erfolgsbasis

Grau ist alle Theorie … Am besten überzeugt die erfolgreiche Umsetzung.

Was sind beispielhafte Use Cases aus Ihrem Erfahrungskontext, über die Sie gerne berichten würden? Was wurde dort mit Zeit & Zutritt realisiert bzw. was ist dort gegebenenfalls noch geplant? Aus welchem Grund setzte man auf Sie als Partner? Welche Erfolge konnten realisiert werden? Wer war noch am Projekterfolg mit beteiligt?

 

Wir haben beispielsweise eine ganze Reihe Lebensmittelhersteller mit umfangreichen Sicherheitssystemen ausgerüstet.

Besondere Anforderung war hier die Zertifizierung nach dem Standard IFS Food V6. Weil dormakaba hier eine hohe Beratungskompetenz und ein sehr umfassendes Produktportfolio anbieten kann, haben wir u.a. Valenzi und Südzucker als Kunden gewinnen können. Bei Südzucker kam zusätzlich noch die Anforderung nach einer SAP-zertifizierten Zeit- und Betriebsdatenerfassung. Das Unternehmen suchte nach einem internationalen Hersteller, der weltweite Unterstützung für Wartung und Support anbieten kann. Wir konnten das Projekt gewinnen, weil dormakaba laut Südzucker der einzige Hersteller war, der alles aus einer Hand anbieten kann. Für die Zeit- und Betriebsdatenerfassung wird seitdem unser System B-COMM ERP eingesetzt, für die Sicherheit sorgt unser Zutrittsmanagementsystem Kaba exos 9300. Nachdem das kombinierte System in den ersten deutschen Werken ohne Probleme eingeführt worden war, folgte der Roll-Out. Die gewünschte Zertifizierung wurde natürlich auch erreicht.

Ein sehr interessanter Use Case ist sicherlich auch die neue Zutrittslösung für Hotels. Dabei wird das eigene Smartphone zum Hotelschlüssel. Einer der ersten Kunden war hier das bekannte Hotel The Cromwell in Las Vegas. Dort wurden sämtliche Hotelzimmer mit innovativen dormakaba Schlössern ausgerüstet. Die Gäste erhalten ihre Zutrittsberechtigung zu ihrem Zimmer auf ihr Smartphone und müssen gar nicht mehr an einen Check-In-Schalter. Das kam bei den Gästen sehr gut an. Und auch der Hotelbetreiber hat viele Vorteile. Deshalb haben sich inzwischen auch große Hotelketten für dieses System entschieden.

 

Uwe Eisele

Uwe Eisele

Seit 1996 ist Uwe Eisele bei der Kaba GmbH in verschiedenen Tätigkeiten und Verantwortungsbereichen in der Technik, Vertrieb und Marketing tätig. Die letzten 6 Jahre leitete der Diplom-Ingenieur als Prokurist das Produktmanagement und die Marketing Kommunikation für die Kaba GmbH in Deutschland, nun ist er Leiter Marketing Deutschland bei dormakaba Deutschland GmbH. Als technologisch führender Anbieter realisiert dormakaba innovative Systeme zur Sicherung von Gebäuden und Anlagen vor unerlaubtem Zutritt und Zugriff. Die Kernkompetenzen liegen in den Bereichen Zutritts-/Schließsysteme, physische Zugangs- und automatische Türsysteme, Türbänder, Beschläge, Türschließer, Hotel- und Hochsicherheitsschlösser und Zeit-/Betriebsdatenerfassung.

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